Den Tyrannen stürzen
Claus Schenk Graf von Stauffenberg
„Es ist Zeit, daß jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muß sich bewußt sein, daß er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterläßt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.“
Der Vater von Claus von Stauffenberg, Alfred Schenk Graf von Stauffenberg, ist zunächst Stallmeister des Königs von Württemberg und später Oberhofmarschall. Seine Mutter Caroline, eine geborene Gräfin von Uxkull-Gyllenband, ist eine Urenkelin des preußischen Generals der Befreiungskriege und Heeresreformers August Wilhelm Graf Neidhardt von Gneisenau. Die Geschwister von Stauffenberg, die Zwillingsbrüder Alexander und Berthold, sind zwei Jahre älter als dieser. Eine besonders enge Beziehung besteht zwischen Claus von Stauffenberg und seinem Bruder Berthold, mit dem er auch zum Kreis um Stefan George gehört. Stauffenberg besinnt sich später immer wieder auf einzelne Verse des Lyrikers als Maximen seines Handelns. Tief sind in Stauffenberg aber auch Grundsätze des katholischen Christentums verankert. Seit 1933 ist er mit Nina Freiin von Lerchenfeld verheiratet, mit der er zwei Töchter und drei Söhne hat. Stauffenberg tritt 1926 in das Bamberger Reiterregiment 17 ein. Er gilt als besonders begabter Offizier. Nach der Auflösung dieser Einheit wird er Mitte 1934 an die Kavallerieschule Hannover versetzt. Anschließend an die Kriegsakademie in Berlin kommandiert, absolviert er bis 1938 eine Generalstabsausbildung. In seinem Lehrgangs- und Hörsaalkameraden Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim trifft er auf einen Freund und späteren Mitverschwörer. 1938 wird Stauffenberg zweiter Generalstabsoffizier (I b) beim Divisionsstab der 1. Leichten Division unter Generalleutnant Erich Hoepner, mit der er im Herbst 1938 an der Besetzung des Sudetenlandes teilnimmt. Zu dieser Zeit zählt Hoepner bereits zum Kreis der Verschwörer um General Erwin von Witzleben. Stauffenbergs Einheit kommt beim Überfall auf Polen zum Einsatz, anschließend wird er als Generalstabsoffizier bei der Westoffensive gegen Frankreich eingesetzt. Nach wechselnden Verwendungen in der Organisationsabteilung des Oberkommandos des Heeres wird Stauffenberg Anfang 1943 zur 10. Panzerdivision versetzt, die General Erwin Rommels Rückzug in Afrika decken soll. Am 7. April 1943 schwer verwundet, kann Stauffenberg noch vor der Kapitulation der deutschen Afrika-Truppen nach Deutschland geflogen werden.
Er wird seit dem Herbst 1943 zu einer entscheidenden Kraft im Kampf gegen Hitler. Schon früh hat er sich gegen den nationalsozialistischen Rassenantisemitismus gewandt. Zur aktiven Gegnerschaft entschließt Stauffenberg sich, als er die Folgen der deutschen Politik im Osten Europas erkennt und das ganze Ausmaß des Schadens abschätzen kann, den Hitlers Krieg über das Deutsche Reich und Europa bringt. Unter dem Einfluss Henning von Tresckows, des Generals Friedrich Olbricht und des Oberleutnants d.R. Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg rückt Stauffenberg jetzt in den Mittelpunkt der militärischen Konspiration. Er stellt wichtige Verbindungen zu zivilen Widerstandskreisen her und koordiniert seine Attentatspläne mit Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck sowie mit den Verschwörern, die sich in Paris, in Wien, in Berlin und bei der Heeresgruppe Mitte bereithalten, aber auch mit Sozialdemokraten wie Julius Leber, Mitgliedern des Kreisauer Kreises wie Adam von Trott zu Solz und Vertretern der Gewerkschaftsbewegung wie Jakob Kaiser und Wilhelm Leuschner. Er versucht, die verschiedenen Kreise und Gruppen auf ein gemeinsames Programm zu einigen. Nach seiner Genesung wird Stauffenberg im September 1943 zum Stabschef im Allgemeinen Heeresamt in Berlin ernannt, wo er ab Juni 1944 als Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres, Generaloberst Friedrich Fromm, eingesetzt wird. In einer neuen Regierung nach einem gelungenen Umsturz soll Stauffenberg Staatssekretär im Reichskriegsministerium werden. Im Sommer 1944 entschließt er sich, das Attentat selbst auszuführen. Die militärischen Lagebesprechungen Hitlers scheinen eine Möglichkeit zu bieten, den Diktator auszuschalten. Deshalb konzentriert sich Stauffenberg nach mehreren Versuchen anderer darauf, Hitler durch einen Anschlag im "Führerhauptquartier" zu töten. Am 20. Juli 1944 kann er den Anschlag in Hitlers Hauptquartier "Wolfschanze" bei Rastenburg in Ostpreußen ausführen. Hitler überlebt; Stauffenberg glaubt aber fest, dass sein Attentat gelungen sei, und kann das Hauptquartier im letzten Moment vor der Abriegelung verlassen. Anschließend fliegt er zurück nach Berlin, um im Bendlerblock den Staatsstreich energisch voranzutreiben. Nach dem Scheitern des Umsturzes wird Stauffenberg in der Nacht zum 21. Juli 1944 zusammen mit seinen Mitverschworenen Olbricht, Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften im Hof des Berliner Bendlerblocks erschossen.
Protokoll über die Aufenthalte von Claus Schenk Graf von Stauffenberg in den "Führerhauptquartieren" im Sommer 1944
Fernschreiben der Verschwörer vom 20. Juli 1944, das u.a. die Verhaftung von Gauleitern, SS- und Polizeiführern anordnet
Fernschreiben vom 20.7.1944, gez. Stauffenberg, Abschrift als Anlage 1 zum Bericht der Sonderkommission 20. Juli v. 24.7.1944
Christian Müller: Oberst i.G. Stauffenberg. Eine Biographie, Düsseldorf 1971.
Eberhard Zeller: Oberst Claus Graf Stauffenberg. Ein Lebensbild. Mit einer Einführung von Peter Steinbach, Paderborn 1994.
Joachim Kramarz: Claus Graf Stauffenberg. 15.11.1907 bis 20.7.1944. Das Leben eines Offiziers, Frankfurt am Main 1965.
Kurt Finker/Annerose Busse: Stauffenberg und der 20. Juli 1944, Berlin (Ost) 1984.
Peter Hoffmann: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder, Stuttgart 1992.
Ulrich Schlie: „Es lebe das heilige Deutschland – ein Tag im Leben des Claus Schenk Graf von Stauffenberg“, Freiburg 2009.
Peter Steinbach: Claus Schenk Graf von Stauffenberg: Zeuge im Feuer, Leinfelden-Echterdingen 2007.
Claus Schenk Graf von Stauffenberg und der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944. Katalog zur Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 2007.









